In allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes - in ungefärbter Liebe.
Der Herr aber richte eure Herzen zur Liebe Gottes und zur Geduld Christi. 2. Thessalonicher 3,5.
Die schönste Richtung des Herzens ist, wenn es sich nach Pauli Wunsch zur Liebe Gottes und Geduld Christi richtet. Alle andere Richtung des Herzens ist verkehrt. Prüfe dich, wohin dein Herz gerichtet ist? wohin zielt es? was wünscht es am meisten und am heißesten? mit welchen Dingen beschäftigt es sich am liebsten und öftersten? Wer wohnt eigentlich in deinem Herzen? was geht gewöhnlich bei dir aus und ein? was betrübt, was erfreut dein Herz am meisten? Diese Fragen stelle öfters unter Gebet und Flehen an dein Herz, so wirst du die Richtung deines Herzens erkennen, ob es zur Liebe Gottes und Geduld Christi, oder zur Liebe der Welt, zur Eigenliebe, Geld- oder Ehrliebe, oder zur Lust des Fleisches geneigt und gerichtet sei. Findest du die falsche Richtung, die verkehrte Hinneigung deines Herzens zu Dingen außer Gott und Christus, so beweine dein Elend, und seufze und ringe, flehe ohne Unterlass zu Gott und Christus, dass er deinem Herzen die gerade Richtung zu seiner Liebe, zu seinem Kreuze gebe. Die Geduld Christi ist sein Dulden, Leiden und Sterben für uns, ist sein Gehorsam bis zum Tode, der uns versöhnen und auch geduldig und gehorsam machen muss. Sei kein Schönfärber! Färbe deine Liebe nicht - d. i. heuchle nicht Liebe mit der Zunge, sondern erbitte dir ungefärbte, unverstellte, aufrichtige Liebe, die sich innerlich und äußerlich gleich brünstig und tätig beweist, und in gerader Richtung nur auf Gott und Christus zielt.
Ich fürchte, dass ich bei meiner Ankunft euch nicht finde, wie ich wünsche, und ihr mich auch nicht findet, wie ihr wünschet; ich fürchte, es möchten Streitigkeiten, Eifersucht, Zorn, Zwist, Verleumdungen, Ohrenbläsereien, Aufgeblasenheit, Unordnungen unter euch sein - und dass ich also viele betrüben müsse, die vorher gesündigt und nicht Buße getan haben rc.
Es kann sich bei erweckten Christen viel einschleichen und manche Sünde wieder erwachen, wenn die Erweckten nicht wachen. Alle die von Paulus genannten Dinge kommen oft wieder zum Vorschein, und wenn man denn leicht darüber hingeht, sich dennoch immerhin für gläubig, erweckt und bekehrt hält, ohne darüber Leid zu tragen, Buße zu tun und solche Dinge auszurotten, so geht man in einem verblendeten und verkehrten Zustande dahin, der ärger ist, als wenn man nie etwas von Christo gehört hätte. Man hält fest an seinen Andachten, am Singen, mündlich Beten, Lesen, Stunden halten und was so gang und gebe ist, ändert und bessert sich aber nicht und hält sich doch für einen Christen. Da sieht man 2. Petrus 2,20.21.222. O ihr Lieben! denket immer, wenn Paulus, wenn Christus käme und unter uns hereinträte, wenn er Zeuge all unserer Handlungen wäre, würde er uns nach Wunsch finden? würden wir ihn finden, wie wir ihn wünschen? Hat Paulus in seinen Gemeinen solche schändliche Dinge angetroffen; könnte er's nicht auch noch in den unsrigen finden? Und was für ein Gesicht würde er dazu machen? „Soll ich euch loben? oder soll ich mit der Rute kommen? Denn nicht in Worten besteht das Reich Gottes, sondern in der Kraft.“ (1. Korinther 4,20.21.) Es betrüge sich doch niemand, der sich selbst wohlgefällt, sondern er betrachte sich in dem Spiegel des Wortes und prüfe seinen Wandel nach der Richtschnur der Wahrheit.
Versuchet euch selbst, ob ihr im Glauben seid; prüfet euch selbst. Oder erkennet ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr untüchtig seid.
Die Korinther standen im Glauben, waren apostolische Christen, von den Aposteln selbst zum Glauben geführt und in demselben geleitet; dennoch rät ihnen Paulus diese Prüfung, und dringt mit Ernst darauf. Sind wir besser, sicherer, als die Korinther? Sollen wir uns nicht vielmehr alle Tage fragen: Ist Christus in deinem Herzen, oder auf deiner Zunge, nur in deinem Kopfe, in Sprüchen und auswendig gelernten Worten? Wenn Christus, als der gute Baum, in dein Herz gepflanzt ist, so musst du ihn an den Früchten erkennen. Wo Christus ist, ist Christi Sinn und Leben. Wo der Glaube an Christus ist, sind auch die Früchte des Glaubens und der Liebe. Wo Christus im Herzen ist, da ist die Welt und der Teufel ausgefahren, denn Christus und Belial, Gott und die Welt, können sich in Einer Herberge mit einander nicht vertragen. Hast du den Sinn und Wandel Christi nicht, die Früchte des Glaubens nicht, so hast du auch Christum und den Glauben an Christum nicht. Und hast du ihn nicht, so lässt die Welt und der Satan die Herberge deines Herzens nicht leer stehen, so ist Welt und Satan in dir, denen du heute noch die Herberge aufkünden sollst; und nicht nur das, ohne Verweilen, ohne Bedenken sollst du sie mit ihrem ganzen Anhange hinauswerfen.